BOSS
Zu Boss Effektgeräten hatte ich immer ein zwiespältiges Verhältnis. Mitte der 80er waren meine ersten Pedale ein Ibanez TS9 und einige Boss Vertreter wie das DD-2 Delay, DS-1 Distortion, das SD-1 Overdrive und ein OC-2 Octaver.Der Markt war sehr überschaubar, die Auswahl Möglichkeiten stark eingeschränkt. Die Pedale waren in der Zeit Standard, was Sounds, Verarbeitung und Funktion betraf und sie waren ihrer Zeit weit voraus. Sie boten serienmäßig verbaute Buffer, Soft Relais Footswitches, einfachen Zugang zum Batterie Fach und eine moderne Optik.
Die japanische Company Boss, deren Mutterkonzern Roland bereits erfolgreich Effekte anbot, wurde schnell zum Weltmarktführer in Sachen Effektgeräte und hatte mit dem CE-1 einen Chorus im Pedalformat am Start, der heute noch Maßstäbe setzt. Bis heute gibt es kaum einen Sound Wunsch, gepaart mit technischen Raffinessen, den die Marke nicht umgesetzt hat. Die Klassiker werden bis heute angeboten und das zum Teil in der zehnten Generation.
Genau diese enorme Vielfalt lässt die Pedale für mich beliebig erscheinen.
Ich mochte die optische Gestaltung nie.
Die Wahl der kantig kastigen Grundform, die überdimensionierte Wippe, als Fussschalter, das ohne Druckpunkt das Pedal einschaltet, die kleinen Synthi Poti Knöpfe am oberen Gehäuse Ende platziert, sollten vermutlich ein modernes Bild generieren, ich finde die Gestaltung bis heute kühl zweckmäßig und eher der einfachen und Massenfertigung tauglichen Idee geschuldet. Ja, sie haben ihre Eigenständigkeit und ihren festen Platz in der Geschichte der Effektpedale, einen Schönheitspreis gewinnen sie nicht. Bitte nicht falsch verstehen, das ist meine ganz persönliche Meinung und schmälert weder die Qualität noch das "Standing" der Pedale.
BOSS COMPANY
Ich beginne mit einem Zitat der Boss Seite, indem das Pedal folgenschwer beschrieben wird."Mit seinem satten nuancierten und extrem ausdrucksstarken Sound hat der BD-2 seinen Platz in den Annalen des Gitarren-Overdrive sicher. Die einflussreiche Boss Analogschaltung verhält sich wie ein Röhrenverstärker und erzeugt einen natürlichen Gain-Sound mit herausragenden Ansprache, der mit herkömmlichen Overdrive - Distortion Pedalen nicht möglich ist."
Gut, wäre das auch geklärt! Auch wenn die deutsche Übersetzung der Boss Hompage etwas holprig daherkommt, ist ihr Inhalt deutlich. Es gibt seit dem BD-2 kein Overdrive Pedal, das einen Zerrton eines Röhrenamps besser interpretiert. Der "Heilige Gral" der Overdrive Pedale ist gefunden!
Warum sich also auf die Suche machen und Tonnen an Zerrpealen antesten?
Wieso machen sich überhaupt noch Effekt Pedale Hersteller die Mühe und verbringen Monate, Jahre auf der Suche nach Schaltungen, magischen Bauteilen etc..
Natürlich ist das eine Marketing Strategie und sie ist überaus erfolgreich. Schließlich ist der Blues Driver eines der bedeutendsten Pedale des Herstellers und hat in Folge zahlreiche Manufakturen inspiriert, auffbauend auf dem Layout, eigene Kreationen zu veröffentlichen.
BLUES DRIVER BD-2
Der Blues Driver gehört zur zweiten wenn nicht gar dritten Generation Drive Pedale des Herstellers und kam erst 1995 auf den Markt.Seine Vorgänger OD-1, SD-1 oder auch DS-1 begeisterten schon seit den späten 70ern die Gitarristen Welt. In den 90ern fegte ein neuer "Blues Wind" durch die Gitarristen Szene. Gary Moore veröffentlichte sein legendäres "Still got the Blues" Album und interpretierte den Blues überaus modern. Sein unnachahmliches Gitarren Spiel in grandiosen Blues Nummern verpackt hatte man so noch nicht gehört. Puristen schreckten aufgrund des Sounds erstmal zurück. Gary Moore hatte einen überaus hohen Zerrsound am Start. Ist der Soldano Amp, den er zeitweise nutzte schon ein Gain Monster, befeuerte er diesen noch mit hochgradig zerrenden Overdrive Pedalen. Gerne spielte er einen Marshall Guv'nor oder auch Boss DS-1, um seine Amps noch zusätzlich anzuheizen. Vielleicht inspirierte das Boss, auf dem neuen Blues Markt mitzumischen und entwickelten den Blues Driver BD-2. Auffällig war auf jeden Fall, dass Gitarristen aus dem Blues und Pop Genre Mitte der 90er gerne den BD-2 häufiger nutzten. John Mayer, Andy Timmons oder Prince um nur einige zu nennen, setzten das Pedal gerne als milden Overdrive oder "reinen" Booster ein, der sehr harmonisch sich in den Amp Sound integriert. Tatsächlich fällt auf, dass der Blues Driver in Low Gain Settings einen überaus frischen, natürlichen Drive Ton liefert. In den Bässen etwas zurückhaltend, bietet er erstaunlich viel Gain, das weit aufgedreht einen leicht fizzigen Charakter erhält.
Das war sicher der Grund, warum Robert Keeley früh sich mit Mods an der Kiste versucht hat und nach Kundenwünschen mehr Lowend und ein Upgrade an Bauteilen anbot. Dazu später mehr.
Mit der Waza Serie gibt's den BD-2 mittlerweile auch mit schaltbaren Bass Switch "Standard Mode" und "Custom Mode", das dem Sound mehr Fülle verleiht.
MEINE VERSION
Das Layout des BD-2 ist deutlich aufwändiger als beispielweise ein Tubescreamer, Timmy oder Lightspeed.
Seinen Sound generiert er über einen TL071 Single Opamp, 2x 3906 Transitoren, 4x J201 JFet's und 4x 1N4148 Dioden.
Das Gain Poti ist ähnlich dem Klon Centaur ein Dual Gang Potentiometer.
Der Sound des Pedals klingt tatsächlich sehr natürlich in der Zerrstruktur. Der Dynamik Umfang ist überdurchschnittlich und über einen weiten Arbeitsbereich der Potis nutzbar. Fantastisch ist sein reiner Boost Ton bei komplett zurück gedrehtem Gain Poti. Im unteren Bereich bis 12 Uhr lassen sich fabelhafte Drive Tones verwirklichen, darüber hinaus, wird der Sound fizziger und aggressiver. Zumindest in meiner Version. Ich kann mein DIY Projekt nur mit einem Mooer Blues Mod vergleichen, der sich nah am Original orientiert. Bei dem kann ich Volume und Gain komplett aufdrehen und der bleibt trotz vollem Gain Brett stabil sind sauber im Zerr Ton. Etwas dünn aber der staccato-freudige Schwermetaller wird seine Freude haben.
Mein Blues Driver ist insgesamt wärmer, milder und "bluesiger" overall. Im Low Gain Bereich hat er klar die Nase vorn.
High Gain ist nicht so sehr seine Stärke.
Da würde ich eher einen Timmy bevorzugen, der insgesamt viel sauberer und cleaner daherkommt.
Wie schon erwähnt, haben einige User das schmal abgebildete Lowend des BD-2 früh bemängelt. Robert Keeley hat sich der Sorge angenommen und einen simplen Mod in den Original Boss Pedalen umgesetzt. Der BD-2 hat vor dem Tone Potentiometer einen 18nF Kondensator verbaut, der das Lowend festlegt. Keeley hat statt des Kondensators zwei Caps, 33nF und parallel 68nF mit einem Switch schaltbar gemacht und mit Phat Mod betitelt. Somit ist in der Standard Einstellung schon ein leicht erhöhter Bass Boost bemerkbar, in der Phat Position legt der Ton nochmal deutlich an Bassfundament zu. Das ist eine deutliche Aufwertung und macht das Pedal vielseitiger in der Anwendung. Weil dieser Mod so erfolgreich war, hat Robert sich entschieden, seinen eigenen BD-2 namens "Super Phat Mod" zu veröffentlichen, der noch einige weitere Modifikationen wie Dioden/Kondensatoren Tausch mit sich bringt.
Ich habe den "Phat Mod" mit einem 3 Position Switch und den Cap Werten 15nF, 33nF und 100nF umgesetzt, was einen noch breiteren Lowend Bereich abdeckt.
MEIN FAZIT
Grundsätzlich würde ich den Blues Driver als "organisches Drive" bezeichnen, das einen sehr weiten Boost/Drive Sound abdeckt, seine Boss-Gene nicht verhehlt und sich problemlos in nahezu alle Setups integrieren lässt. Seine überaus homogene natürliche Zerrstruktur fügt sich angenehm in den Gesamt Sound ein und lässt sich exzellent mit anderen Pedalen kombinieren. Seine Gain Reserven sind außergewöhnlich hoch, bis 12 Uhr Position grandios, darüber hinaus "speziell" und gewöhnungsbedürftig.In der "Phat" Einstellung ist er hervorragend für dickere bluesige Sounds einsetzbar, bei zurückgedrehtem Gain Poti ein überragender Booster, der zusätzlich mit dem Tone Poti formbar ist. In der Standard Switch Position kann er auch die heftigere Heavy Sound Fraktion erfreuen. Ähnlich der ProCo Rat, stellt der BD-2 eine eigene spezifische Pedal Sound Generation dar, die erfreulicherweise in einer Preisregion angesiedelt ist, die es auch den von Geldnöten geplagten Musikern ermöglichen, solche "Original" Pedale testen zu können und nicht auf asiatische Plagiate zurückgreifen müssen. Obwohl ich muss schon sagen dass der Mooer Blues Mood schon klasse klingt und überaus robust daherkommt. Das muss dann jeder mit seinem Gewissen vereinbaren können...