Manchmal stolpere ich über Gitarren, die nicht in die großen Heldengeschichten passen. Keine Strat, keine Tele, kein ikonisches Signature-Modell mit Stadion-Vergangenheit. Stattdessen ein Instrument, das irgendwo zwischen Resteverwertung und Designexperiment entstanden ist. Genau so eine Gitarre ist die Swinger von Fender® – auch bekannt als Musiclander oder Arrow. Drei Namen, ein Körper, und das Gefühl, dass da jemand im Werk ein bisschen zu viel Spaß hatte.

Die Geschichte beginnt Ende der Sechziger, in einer Phase, in der Fender zwar längst eine Institution war, aber offenbar noch genug Mut (oder vielleicht nur großen Lagerüberhang) hatte, um etwas Ungewöhnliches zu bauen. Die Swinger tauchte um 1969 auf, offiziell nie groß beworben, nie prominent in Katalogen platziert. Sie war eher ein Nebenprojekt. Und genau das macht sie heute für Sammler so faszinierend.
Der Body sieht aus, als hätte man eine Mustang und einen Bass V in einen Mixer geworfen und dann das schrägste Ergebnis behalten. Die asymmetrische Form wirkt gleichzeitig verspielt und trotzig. Sie ist Offset, aber anders. Nicht so lässig wie eine Jazzmaster, nicht so kompakt wie eine Mustang. Eher wie ein Design, das sich nicht entscheiden wollte... und gerade deshalb Charakter hat.

Ich hatte bisher noch keine Swinger in der Hand, wollte aber dennoch nicht versäumen, dieses Modell hier zu erwähnen. Meine Infos beruhen also aus der Recherche im Netz.
Technisch betrachtet ist die Sache aber recht schnell erzählt. Fender griff für die Swinger auf bereits vorhandene Teile zurück, meist auf Überschüsse der Produktion des Bass V für den Korpus, allerdings leicht modifiziert, mit einem Ausschnitt an der Unterseite, kombiniert mit weiteren Teilen der Musicmaster und der Mustang
Elektronisch blieb man minimalistisch. Meistens findet sich ein einzelner Musicmaster-Singlecoil am Steg, kombiniert mit einem simplen Volume- und Tone-Regler. Kein Pickup-Wahnsinn, keine Schalterorgie. Hier geht es um Reduktion. Ein Pickup, ein Sound, deine Finger. Punkt. Wer zwischen fünf Positionen hin- und herspringen wollte, wurde hier nicht glücklich. Wer hingegen die Kunst liebt, aus wenig viel zu machen, der fühlt sich schnell zu Hause.
Der Steg-Singlecoil liefert einen drahtigen, bissigen Ton mit ordentlich Attack. Clean gespielt, hat das Ganze wohl eine leicht näselnde Note, mit ein bisschen Overdrive wird daraus aber ein rotziger, fast garage-punkiger Sound. 

Der alternative Name "Musiclander" klingt wie ein musikalischer Superheld. In Wahrheit war das Modell unter diesem Namen aber vor allem für den Export gedacht. Der Begriff "Arrow" tauchte ebenfalls auf, vermutlich in Anlehnung an die spitz zulaufende Form des Headstock. Drei Namen, ein Konzept, keine klare Marketinglinie. Das wirkt heute fast sympathisch chaotisch. Fender® war damals nicht nur der Hersteller von Ikonen, sondern auch eine Firma, die mit dem arbeitete, was da war.
In Sammlerkreisen genießt die Swinger mittlerweile Kultstatus. Selten ist sie ja, begehrt ebenso. Lange Zeit wurde sie eher belächelt, als ob sie das ungeliebte Kind der Familie wäre. Inzwischen hat sich der Blick geändert. Gitarristen lieben schräge Außenseiter. Offset ist ohnehin Trend, und wer schon Jazzmaster, Jaguar und Mustang im Rack hängen hat, sucht irgendwann das Exotischere. Genau hier kommt die Swinger ins Spiel. Sie schreit nicht: „Schau mich an, ich bin legendär!“ Stattdessen flüstert sie: „Probier mich doch einfach aus.“ Und genau das ist der Punkt. Man geht unvoreingenommen ran. Kein Mythos von Hendrix, kein Schatten von Clapton. Nur Holz, Draht und ein Pickup.
Interessant finde ich auch die handwerkliche Seite. Man spürt diesen pragmatischen Ansatz. Bauteile waren vorhanden, also wurde daraus ein neues Modell entwickelt. Heute würde man das vielleicht „modular denken“ nennen. Damals war es wohl schlicht ökonomisch.

Was mich persönlich reizt, ist ihre Unperfektheit. Sie wirkt nicht wie das Ergebnis monatelanger Marktanalysen. Stattdessen fühlt sie sich wie ein Nebenprojekt an, das zufällig Charakter entwickelte, trotz der miserablen Optik durch die Ausfräsung am Korpus und der furchtbaren Kopfplatte (sorry, meine persönliche Meinung). Genau solche Instrumente sind aber inspirierend. Manchmal frage ich mich, ob ich sie gekauft hätte, wenn sie damals regulär im Laden neben einer Telecaster gehangen hätte. Wahrscheinlich nicht, der sichere Griff wäre zur Tele gegangen. Erst mit dem zeitlichen Abstand erkennen viele den Reiz des Ungewöhnlichen. Vielleicht braucht man als Gitarrist eine gewisse Reife, um solche Modelle zu schätzen. Oder einfach übermäßig Gitarren im Schrank, um neugierig zu werden.
Letztlich ist die Swinger kein Instrument für jeden. Sie ist ein Statement gegen Perfektionismus, gegen Feature-Overload, gegen das ewige Streben nach dem „einen“ ultimativen Sound. Sie ist speziell, eigenwillig und ein bisschen schräg. Genau deshalb finde ich sie interessant, wenn auch nicht schön.
Keine große Legende, kein Stadionmoment. Stattdessen eine kleine, schräge Fußnote in der Geschichte von Fender – und manchmal sind genau diese Fußnoten die spannendsten Kapitel.

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