Es gibt kaum ein Overdrive Pedal, das so gehyped ist, wie der Analogman King of Tone. Ja der Ibanez Tubescreamer und der Klon Centaur stoßen in ähnliche Sphären, wenn es sich um Exemplare der ersten Serie handelt. Aber was macht sie so begehrt?
Zum einen sind es handgebaute Originale, die mit ausgesuchten Bauteilen liebvoll zusammengestellt wurden, zum anderen sind zum Teil Komponenten verbaut, die heute nicht mehr produziert werden und den Pedalen ihren vermeintlich unnachahmlichen Sound verleihen. Den Tubescreamer gibt es bis heute in diversen Versionen noch zu haben, beim Klon wird's schon schwieriger.

Analogman baut nach wie vor den King of Tone, allerdings mit jahrelangen Wartezeiten und zu einem stolzen Preis. Manche nehmen das auf sich und sind nicht wenig überrascht, wenn nach Jahren des Wartens, unverhofft Analogman sich meldet und das Konto plündern möchte.
Ich bin nicht mehr so jung, auch eher ein ungeduldiger Zeitgenosse und habe mich entschieden, selbst Hand anzulegen und mein eigenes King of Tone Pedal zu bauen.
Der King of Tone basiert auf dem Marshall Bluesbreaker Pedal Layout. Somit sollte klar sein, wohin die musikalische Ausrichtung geht. Ich mag den Bluesbreaker gerne. Sein direkter ehrlicher Zerrton ist unerbittlich und erfordert ein sauberes Spiel. Er bleibt klar in der Artikulation und ist alles andere als smooth oder sahnig im Abgang und bietet im Prinzip nur einen Sound, den aber in Perfektion. Das gefällt nicht jedem. Das dachte sich offensichtlich Mike Piera alias "Analog Mike" und moddete die Schaltung, um sie breiter aufzustellen. Allein die Idee, zwei identische Overdrive Schaltungen in ein Pedal zu packen ist grandios. Da jede Seite mit internen Dip Switches individuell anpassbar ist, können entweder beide Seiten identisch eingestellt oder eben mit 2 Clipping Settings unterschiedlich getrimmt werden. Es stehen Soft Clipping ala Tubescreamer und oder Hard Clipping wie es beispielsweise die ProCo Rat bietet, zur Verfügung. Ohne aktiviertem Clipping ist es dem Original Blues Breaker Sound sehr nahe und lässt sich hervorragend als Booster oder Low/Mid Gain Overdrive verwenden. Es stehen noch je ein "Treble" Trim Pot für jede Seite auf der Platine platziert zur Verfügung, die wie ein Presence Pot die Grundklarheit des Pedals festlegt. Auf der Faceplate gibt's klassisch Volume, Drive und Tone zur allgemeinen Klangformung. Beide Seiten arbeiten völlig unabhängig und können individuell eingestellt aktiviert werden.
Somit relativiert sich auch der hoch angesetzte Preis etwas, da ja im Endeffekt 2 Pedale in einem Gehäuse angeboten werden. Klanglich bietet der KoT fein ausgewogene Drive Sounds, die sich in jedem Genre wohlfühlen, durch die Einstellmöglichkeiten wunderbar anpassbar sind und in Kombination beider Seiten, zusätzliche Zerrpedale eigentlich überflüssig machen. Es macht sich als Booster hervorragend, seine Zerrstruktur ist natürlich ausgewogen nie aufdringlich oder künstlich.

Im Vergleich zum Blues Breaker ist der KoT etwas komprimierter und dichter im Ton. Das ungehobelt Rohe des Marshalls ist gezähmter und kontrollierter. Ich denke, das ist auch so von Analogmann gewollt und perfekt in der Schaltung umgesetzt. Es ist nahezu unmöglich, dem Pedal einen unangenehmen Sound zu entlocken.
Wie viele Overdrive Pedale ist die Konzeption Verstärkung und Overdrive Tonformung um einen Opamp und Clipping Dioden designed. Das funktioniert beim Tubescreamer, Timmy oder auch bei beim Klon genauso,wie eben auch beim KoT. Die Wahl des Opamps in Kombi mit Dioden und die Klangformung durch Widerstände/Kondensatoren in Zusammenarbeit mit regelbaren Widerständen wie Potis, erzeugen letztendlich den Gesamtsound eines Pedals. Da kann es vorkommen das beispielsweise der Klon als "Hard Clipper" smoother klingt als der Timmy, der mit Soft Clipping einen kühleren Ton produziert. Ähnlich wie beim Klon, sind es die Wahl der Clipping Dioden, die dem King of Tone zu seinem legendären Ruf verholfen haben und viel Diskussionsstoff bieten.

Analogman hat in seinen ersten KoTs NOS Panasonic MA856 und 1S1588 Dioden verbaut. Die sind heute kaum mehr erhältlich und sollen einen runden ausgewogenen Klang generieren. Da auch Analogman nicht unendlich Ressourcen dieser Dioden auf Lager hat, werden neuere Modelle mit herkömmlichen 1N4148 Silicon Dioden bestückt, die auch ich in meiner DIY Version verbaut habe. Ich habe leider keinen Original King of Tone und kann die Sounds nicht direkt vergleichen, laut Recherche sind die unterschiedlichen Dioden Bestückungen kaum wahrnehmbar. Die NOS-Panasonic-MA856 und 1S1588 haben wohl eine etwas höhere Forward Voltage/Durchgangsspannung. Das führt zu etwas weniger Clipping und einem minimal transparenteren Ton, wie User berichten. Als Opamp hab ich einen JRC4580 verwendet , wie er auch im KoT zum Einsatz kommt. Auch da lässt sich wenn man Sockel nutzt mit unterschiedlichen Opamps experimentieren.

king of ton diy project

Im Netz findet man zuhauf Schaltungen und Pläne, die experimentierfreudige "Bastler" aus Original Layouts herausgelesen und veröffentlicht haben.
Da kann man sich allerdings nie sicher sein, ob alle Bauteil Werte richtig dokumentiert sind, oft werden auch diverse Mods gleich mit integiert.
Ich habe ein Layout gefunden, das eine Seite des KoT darstellt und sich relativ nah am orientiert. Die Switches der Original Schaltung, die sich auf der Platine befinden, habe ich mit Kippschaltern auf die Faceplate platziert.
Das macht durchaus Sinn, da die Clipping Varianten hör und spürbar und Geschehen eingreifen und gerne in the fly angepasst werden können.
Genau diesen Ansatz hat Analogman mit dem Prince of Tone umgesetzt, da ist es allerdings ein 3-Position-Switch, der durch die 3 Clipping Stufen schaltet. Mit den 2 separaten Switches gibt es die zusätzliche Möglichkeit, Overdrive und Distortion Clipping individuell zu schalten, selbst beide gleichzeitig zu aktivieren. Der PoT hat zusätzlich 2 DIP Switches auf der Platine. DIP1 ist ein Low/Mid lift Switch der das Lowend erweitert, DIP2 "Turbo" legt eine Schippe Gain drauf. Diese wie ich finde sinnvollen Mods, werde ich in einem nächsten Projekt austesten und alle Switching Funktionen auf die Faceplate planen.

Ich hatte schonmal erwähnt, wie ich meine DIY PCBs aus Kunststoff selbst herstelle und somit schnell und kostengünstig Pedal-Layouts umsetzen kann. Das funktioniert problemlos und lässt viel Spielraum für individuelle Anpassungen. Das hat klanglich überhaupt keinen negativen Einfluss. Die Komponenten werden auf der Unterseite direkt miteinander verlötet ohne Lötösen, sozusagen "frei verlötet". Für Prototypen reicht das allemal.
Genau dieses KoT Layout habe ich vor einiger Zeit schonmal gebaut, kurz nach einem Blues Breaker DIY Projekt. Beim BB hat mich der unglaublich offene und direkte Ton begeistert, der beim KoT etwas belegter daher kommt. Ich mag es einfach, einen artikulierten Anschlag zu haben, der mit Plektrum oder Fingern formbar ist und genug Raum lässt, den Dynamik-Umfang eines Pedals auszuspielen. Der KoT macht das auch, allerdings etwas eingeschränkter.
Genau das ist der Denkfehler. Ein klassisches Overdrive Pedal beschränkt ja zwangsläufig die Dynamik, verdichtet und richtet sich mittig orientiert aus. Es generiert mehr Gain damit Sustain und zugleich reduziert es Lowend. Genau das erwartet man auch von so einer Schaltung. Der KoT setzt da an, wo der BB an seine Grenzen stößt. Er kann bei Bedarf deutlich mehr Drive, durch die Clipping Varianten enorm verdichten und grandios tragende Leads Sounds anbieten. Für mich ist er ein "schön klingendes" Overdrive mit vielen Anpassungsmöglichkeiten. Klangneutral ist er nicht. Analogman hat ihm genau das richte Mitten-Spektrum spendiert, das Gitarristen gerne bevorzugen. Unaufdringlich präsent ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Der Timmy ist im Vergleich erschreckend kühl und blass rund ums Hüftgold.

Um kurz nochmal das Thema Dioden aufzugreifen: ich nutze die Standard 1N4148 oder 1N914 Dioden schon seit einiger Zeit in diversen Drive-Pedal-Schaltungen, die wunderbar ihre Arbeit verrichten. Klar wäre ein direkter Vergleich mit einem Original KoT und NOS Dioden überaus interessant, würde mir allerdings verwehrt bleiben. Ich komme mit dem Ton, den mein DIY Projekt ausspuckt, sehr gut zurecht.
Mir gefällt vor allen Dingen, der Grund-Sound, der sich schön ins Setup integrieren lässt. Die Clipping-Möglichkeiten sind grandios, das Volume/Drive-Spektrum optimal ausgelegt für Boost/Mid Gain Sounds.
Wer im Besitz eines Original King of Tone ist und Vergleiche mit Klons der selben Gattung hat, kann gerne berichten, ob es sich lohnen würde, sich auf die Suche nach Original NOS Dioden zu machen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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