Gregor Hilden ist ein deutscher Gitarrist und Musikalienhändler, der nicht nur durch sein geschmackvolles Gitarrenspiel überzeugt, sondern auch sorgfältig ausgewähltes Equipment anbietet, das er in einer entspannten und authentischen Atmosphäre Zuhause mittels seines YouTube-Channel präsentiert. Dabei spielt er live meist improvisierte, dem Blues-Genre zugeordnete Songs auf unterschiedlichsten Gitarren, verstärkt über einen Vintage 1963 Fender Vibroverb. Der Verstärker wird mit einem Mikrofon abgenommen, das von einem vor dem Lautsprecher platzierten Teddybären gehalten wird. Der Amp ist clean eingestellt, seinen smoothen Dirty Blues Ton erhält er aus einem Overdrive Pedal, das einen organischen Zerrton generiert, wie man es selten hört. Gregor gehört zu den Gitarristen, die unabhängig vom verwendeten Equipment immer gut klingen, ganz gleich, welches seiner Hunderte von Videos man sieht oder hört. Leider konnte ich ihn noch nie live erleben, vielleicht ergibt sich dich mal die Gelegenheit, um ein bisschen über Equipment zu plaudern.

Mich hat interessiert, welches Pedal er nutzt, das ihn so überzeugt, dass er sich davon sogar eine Signature Version auf den Leib schneidern ließ.

OKKO

Ich habe ein Okko Holy Grit - Fuzz/Overdrive/Boost Pedal - das ich in den höchsten Tönen lobe. Das ist, was die Verarbeitung und Ton Gestaltung betrifft, oberste Liga in der Pedal-Manufaktur-Landschaft. Seit 2003 baut Heiko Lauenroth seine Okko-Pedale in Leipzig in sorgfältiger Handarbeit. Design und Klang sind markant, eigenständig gestaltet und überzeugen über das gesamte Spektrum hinweg. Sein bekanntestes Pedal ist das Diablo, das einen erstklassigen organischen Zerrton bietet und in verschiedenen Versionen erhältlich ist. Leider konnte ich das Original nie anspielen, werde das aber sicherlich nachholen, da mich das Overdrive in meiner DIY-Version mehr als überzeugt hat.

DIABLO +

Ich bin auf ein Layout des Diablo+ gestoßen, welches im Grunde der Ur-Version entspricht und durch einen regelbaren und schaltbaren Boost erweitert wurde. Es handelt sich im Prinzip um ein klassisches Overdrive-Pedal mit sinnvollen Add-ons, die es wunderbar an verschiedenste Setups anpassbar machen und die Kiste vor allen Dingen in ein echtes Sound-Monster verwandeln.

Die Grundfunktionen sind:

LEVEL: regelt die Gesamt Lautstärke

GAIN: regelt die Verzerrung
TONE: klassische Ton Blende
FEED: Pre Gain Regler, regelt den Bass Anteil vor der Verzerrung
BODY: regelt die Mitten und Kompression
+: regelt zusätzliches Gain und Lautstärke

Der rechte Footswitch schaltet das Pedal ein/aus.
Der linke Footswitch schaltet das zusätzliche Gain-Poti in den Schaltkreis.

Das Original Diablo + bietet noch einen Headroom-Switch, der zwischen 9V und 18V schaltet. Das bringt bei Bedarf noch mehr Dynamik und Lautstärke. Diese Funktion habe ich in meinem DIY-Projekt nicht verbaut.



SOUND

Als ich die ersten Akkorde angespielt habe, fühlte ich ich mich sofort Zuhause.
Das ist meine Vorstellung von optimaler Zerr-Struktur und die geht Richtung "British Full Stack". Genau das bietet der Okko Diablo + in Reinkultur. Das Pedal generiert ein breites Spektrum an Crunch - High Gain Sounds, die überaus authentisch nach Marshall JTM - Plexi klingen. Das ist nicht irgendein beliebiger Drive Ton, es imitiert einen kompletten Amp mit all seinen Facetten und zwar in seinen jeweiligen Einstellungen. Dafür ist zum einen seine diskrete Schaltung mit 7 Stück J201 Fets verantwortlich, zum anderen sein erweiterter Schaltkreis mit den Potis Feed und Body. Jfet-Transitoren werden gerne in Layouts verwendet, um einen möglichst authentischen, Röhren-ähnlichen Sound zu erzeugen, zum anderen eine Amp-ähnliche Dynamik anzubieten. Das gelingt hier außerordentlich gut.

Was das Pedal außerdem hervorragend auszeichnet, ist seine enorme Anpassungsfähigkeit, die es ihm ermöglicht, sowohl bei cleanen als auch bei angezerrten Sounds sein volles Potenzial auszuspielen. Man hat immer das Gefühl, einen "echten Röhrenamp" zu spielen. Maßgeblich dafür verantwortlich sind die beiden Potentiometer "Feed und Body". Feed regelt den Bassanteil des Signals vor der Verzerrung.
Bassregelungen vor der Verzerrung haben erheblichen Einfluss auf die "Fatness" im Signal. Mit dem Poti kann man feinfühlig und stufenlos jede Gitarre an den jeweiligen Verstärker anpassen.

Habe ich z.B. eine dünn klingende Strat am Start, drehe ich das Poti weiter auf und bekomme einen dickeren Ton. Das funktioniert ähnlich wie bei einem 4 Input Vintage Marshall, bei dem man ein ähnliches Ergebnis erzielt, wenn man das Volume 2 weiter aufdreht. Ist eine fett klingende Humbucker Gitarre eingestöpselt, lässt sich der Klang durch einfaches Zurückregeln des Potis ganz nach Geschmack ausdünnen und individuell anpassen. Bildlich dargestellt kann das Potentiometer von einem 1x8 Zoll Speakern Mini Amp bis 2 Stück 4x 12 Zoll Fullstack Amp ein breites Spektrum an Sounds abbilden.

Body erweitert die Ton-Gestaltung um einen weiteren interessanten Aspekt, da es die Mitten und Kompression beeinflusst. Nach links gedreht klingt das Pedal offener und transparenter, nach rechts gedreht wird der Sound fetter, dichter und komprimierter. Mit dem Poti legt man quasi den Dynamikumfang fest, den man haben will. Will ich eher einen Booster, drehe ich das Potentiometer weiter zurück, möchte ich einen tragenden Lead Ton, drehe ich weiter auf. Beide Potis haben enormen Einfluss auf den Gesamtklang des Pedals. Sie legen den Grundcharakter fest. Das Tone Poti arbeitet im Vergleich eher subtil, ist dennoch sinnvoll, um bei Bedarf Durchsetzungsvermögen zu ermöglichen. Im Inneren des Pedals, sind noch Mini-Trimmer verbaut, die noch detailreichere Anpassungsmöglichkeiten bieten. In der Schematic, die ich gebaut habe, sind es 5 Stück. Damit können Feinabstimmungen wie Bass, Presence, Bass+, Tone+ und Gain+ vorgenommen werden. Die Funktion des Gain Reglers ist schon sehr weit ausgelegt. Selbst auf 0-Position ist ein leichter "Dirty Tone" auszumachen. Gain Reserven sind für die meisten Anwendungen völlig ausreichend. Die erste Version des Diablos gab sich auch damit zufrieden. Das Diablo+ Upgrade hat ein zusätzlich schaltbares "+" Poti, mit dem eine weitere Gain-Stufe aktivierbar ist. So kann man seinen Grundsound mit den genannten Reglern einstellen und mit "+" noch eine weitere Zerrstufe abrufen.

Mit dem Diablo lassen sich erstaunlich vielseitige Klänge abrufen, von schlanken, Klon-artigen Overdrive-Sounds bis hin zu fetten 80s Heavy Rock Brett Riffs, die stets natürlich und organisch klingen. Aufpassen muss man lediglich bei ganz hohen Feed, Body Einstellungen im Zusammenspiel mit viel Gain. Da wird's dann irgedawnn schwammig und undefiniert. Sehr gut gelungen ist das Mittenbild der Schaltung. Es hat die nötige Durchsetzungskraft und genug Fundament eines ausgewachsenen Amps und platziert die Gitarre optimal im Mix. Dynamik und Ansprechverhalten ist genauso, wie man es sich wünscht. Selbst vor einem clean eingestellten Verstärker wie ihn Gregor Hilden verwendet, liefert der Diablo grandiose Drive-Sounds, die kaum von echter Amp-Zerre zu unterscheiden sind. Ich würde es als "Britisch Amp in a Box" bezeichnen, da es einen kompletten erwachsenen Zerrton generiert, der jeden Amp um einen harmonischen Drive Sound erweitern kann. Wahrscheinlich klingt es sogar direkt über ein Mischpult oder in einer DAW gut, allerdings habe ich das bislang noch nicht ausprobiert.

Mein Vergleichs-Drive Zvex Box of Rock klingt im direkten Nebeneinander deutlich mehr "gescooped" im Mitten-Spektrum, das Twangtone Manifesto als Fender-Style-Pedal ebenso. Das Diablo ist stabiler in den Mitten, kann trotzdem viel Lowend abrufen und eben auch deutlich aufgeräumter klingen, seine Drive-Range ist wunderbar kontrollierbar mit dem Vol-Pot der Gitarre. Das schaltbare Drive+ Add-on spart einen zusätzlichen Booster.

Gregor Hilden hat sich von Heiko Lauenroth das Diablo nochmal aufmotzen lassen und bietet mit 8 Potis und 2 Switches erweiterte Anpassungsmöglichkeiten. Die Abstimmung wurde etwas milder ausgelegt und entspricht den Anforderungen von Gregor, der im Blues-Bereich andere Rahmenbedingungen hat.

Bleibt noch die Frage, wie Okko auf den Namen Diablo bekommen ist. Das orangefarbene Gehäuse, auf dem eine überdimensionierte LED den aktivierten Zustand wie einen glühenden Feuerball anzeigt und das von zwei Teufelshörnern eingerahmt wird, vermittelt eher den Eindruck, das Ende der Zeit sei gekommen. Dadurch entsteht der Eindruck, das Pedal sei für die dunkelsten Gefilde der Unterwelt konzipiert. Ich finde den Sound gar nicht so diabolisch, wie man vermuten würde.

Ja, es hat schon ordentlich Feuer unterm Dach, ist aber leicht kontrollierbar und wunderbar auch im Low Gain Bereich anzuwenden. Es hat eine Grundwärme, bleibt dabei offen und dynamisch und lässt sich nahtlos in nahezu jedes Setup integrieren. Wer Gregors unzählige Videos mit seinen großartigen Blues-Licks hört würde kaum vermuten, dass die orangefarbene Box auch zu weitaus aggressiveren Brüllattacken fähig ist.

Das ist das Schöne an diesem Pedal: Es hält die nötigen Soundreserven bereit, wenn man sie braucht, zwingt einen aber nicht dazu, sie um jeden Preis einzusetzen.
Es ist schon erstaunlich, was so manch kreativer Kopf imstande ist zu kreieren.

In den Hinterhöfen und Werkstätten Deutschlands entstehen grandiose Elektronik Kleingeräte, die ganz locker mit den etablierten Groß-Pedal-Manufakturen der Welt mithalten können.

Nein, ich finde sie oft innovativer und hochwertiger als vieles, was auf dem Weltmarkt veröffentlicht wird. Okko spielt dabei in der obersten Liga mit.

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