emens labs RS Booster MK2 - Der transparente Preamp-Booster im Praxistest
Nach einigen Tagen mit dem emens labs RS Booster MK2 möchte ich mal meine Eindrücke mit euch teilen und euch von einem kleinen Paradigmenwechsel im Bezug auf Musikequipment berichten. Eigentlich war der Plan, nur mal einen neuen Booster auszuprobieren. Ich probiere ja gern mal Neues aus und habe vor kurzem - zugegeben das erste Mal - von dem deutschen Unternehmen gehört, das ich bis dato noch nicht kannte. Anfangs war ich etwas skeptisch - wie man so ist bei neuem - und wollte einmal etwas mehr über emens labs, das sich aus den Worten electromagnetic & electronic Instruments zusammensetzt, erfahren.Und nun alles der Reihe nach:
Nach einem fast zweistündigen super netten Gespräch bot mir Oliver, der Kopf hinter emens labs, an, seinen Booster einfach mal zu testen. Auch bot er mir noch einen weiteren Booster zum Test an, der zwar nicht mehr in dieser Form produziert wird, aber doch irgendwie sehr gut zu mir passen könnte. Und um diesen soll’s hier heute gehen, den RS mk2.
Als ich das Paket öffnete, war ich ziemlich erstaunt, wie hochwertig und schwer das Pedal auf mich wirkte. Ich habe ehrlich gesagt mit einem leichteren Gerät gerechnet. Aber da ich es ja mag, wenn Pedals etwas stabiler gebaut sind, fing der Test natürlich schonmal gut an. Im Grunde kann ich wahrscheinlich mit meinem Auto über das Pedal fahren… es würde danach wohl noch funktionieren.
Pedal verkabelt und mit Strom versorgt. In diesem Falle braucht das Pedal etwas mehr, da es sich hier um einen PreAmp-Booster handelt. Aber keine Sorge, die allermeisten Netzteile würden das locker schaffen. In Zahlen sind es maximal 150mA und gewöhnliche 9V.
Ich nutze ihn vor meinem Victory V140 sowie im Proberaum vor meinen beiden 100w Blackstar Amps, die ich beide relativ clean eingestellt habe. Was mir sofort aufgefallen ist, nachdem ich die ersten Töne spielte: Der Ton wird nicht einfach nur lauter. Stattdessen wirkt das gesamte Signal größer, offener und irgendwie “erwachsener”. Die Dynamik bleibt vollständig erhalten, Anschläge werden sauber übertragen und der Amp reagiert gefühlt noch direkter auf das Spiel. Mir hat das auf Anhieb extrem gut gefallen, da es mein Setup, welches ich ja so schon super finde, einfach besser macht. Es färbt nix, stattdessen öffnet sich der Ton. Es hat einfach nur Bock gemacht. Und ich glaube, ich habe noch nie so schnell entschieden, ein Pedal kaufen zu müssen. Also im Grunde nach 2 Minuten 😉
Besonders gefällt mir, dass der RS II eben kein klassischer One-Trick-Booster ist. Durch Bass-, Treble-, Mid- und Presence-Regler lässt sich der Sound sehr gezielt formen, ohne dabei künstlich oder steril zu wirken. Gerade der Presence-Regler hat es mir angetan – damit setzt sich die Gitarre im Bandkontext deutlich besser durch, ohne unangenehm scharf zu werden. Auch der Mid-Boost ist richtig gut abgestimmt. Von nahezu neutral bis hin zu einem schön fokussierten Lead-Sound ist alles möglich.
Und dann ist da noch diese Dynamik. Egal ob cleane Sounds oder bereits angezerrte Amps – der Booster bleibt jederzeit transparent und matscht nichts zu. Man merkt einfach, dass hier ein vollwertiger analoger Preamp dahintersteckt und nicht nur ein einfacher Lautmacher. Ich habe anschliessend mit Oliver gesprochen und ihn gefragt wie das funktioniert, da ich sowas so ähnlich nur von Pedalen kenne, die auf 18v oder sogar 24v hochskalieren. Bei ihm funktioniert das ähnlich, jedoch auf andere Art und Weise, um Nebengeräusche zu vermeiden. Die sind hier nämlich extrem niedrig! Genau kann ich das technisch auch nicht wiedergeben, ist hier aber auch nicht so wichtig. Ich bin mir sicher, dass wir an anderer Stelle in der PEDALBOARD-Community mal darüber schreiben werden. Je mehr ich mich mit dem Pedal beschäftigt habe, desto mehr bin ich auch auf emens labs selbst aufmerksam geworden. Für mich war das tatsächlich eine echte Entdeckung. Ich frage mich inzwischen ernsthaft, warum ich nicht schon viel früher über diese deutsche Schmiede gestolpert bin. Auch weil ich ja Booster liebe und mir einbilde, schon einen gewissen Überblick auf dem aktuellen Markt zu haben.
Hinter emens labs steckt unglaublich viel Know-how und langjährige Erfahrung. Gleichzeitig setzt man konsequent auf moderne Technologien, anstatt einfach nur alten Konzepten hinterherzulaufen. Das merkt man nicht nur am RS II. Das Sortiment umfasst eben nicht nur Pedale, sondern auch modulare Netzteile, Studiotools und sogar individuell für Musiker entwickelte Sonderanfertigungen, die exakt auf die Wünsche des jeweiligen Kunden zugeschnitten werden. Gerade dieser Mix aus technischem Anspruch und persönlicher Betreuung ist etwas besonderes. Ein Punkt, bei dem ich meine Meinung übrigens komplett ändern musste, ist das Thema SMD-Bauweise.
Der Kopf hinter emens labs, Oliver Gurok, setzt bei seinen Geräten bewusst auf moderne SMD-Technik. Und ich gebe ganz offen zu, genau das war früher für mich eher ein Kritikpunkt. Wie wahrscheinlich viele von uns, hatte ich sofort die typischen Gedanken im Kopf: Was passiert, wenn mal etwas kaputtgeht? Kann man überhaupt noch etwas reparieren? Ist Point-to-Point nicht grundsätzlich hochwertiger?
Nach einem wirklich langen Gespräch mit Oliver und nachdem ich inzwischen zwei seiner Geräte ausführlich testen konnte, muss ich meine damalige Haltung aber ehrlich revidieren und zugeben, dass ich da etwas zu sehr in dem Point to Point Boutique-Lager zuhause war.
Oliver konnte jede dieser Fragen fachlich nachvollziehbar beantworten. Moderne SMD-Bauweise bedeutet eben nicht automatisch billiger oder anfälliger – ganz im Gegenteil. Sie ermöglicht wesentlich geringere Bauteiltoleranzen, kürzere Signalwege, kompaktere Layouts und dadurch eine sehr präzise und reproduzierbare Fertigung. Viele Vorteile, über die ich mir vorher ehrlich gesagt nie Gedanken gemacht hatte.
Ersetzt das jetzt Point-to-Point?
Nein, überhaupt nicht. Und genau das ist auch gar nicht das Ziel. Point-to-Point hat seine Berechtigung und wird sie auch behalten. Moderne SMD-Technik eröffnet aber andere Möglichkeiten und zeigt, dass hochwertige Audiotechnik eben nicht zwangsläufig nach Konzepten von vor 50 Jahren gebaut werden muss.
Genau diese Einstellung gefällt mir inzwischen richtig gut: Bewährtes respektieren, aber moderne Technik dort einsetzen, wo sie echte Vorteile bringt und sich gut anfühlt.
Der MK2 Booster sorgt dafür, dass meine Röhrenamps genau so reagieren, wie ich es mir wünsche.
Ich hatte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass mich ein Booster so überzeugt. Aber genau das ist passiert. Deshalb bleibt er dauerhaft auf meinem Board.
Falls jemand emens labs noch nicht kennt, kann ich nur empfehlen, sich die Produkte einmal näher anzusehen. Für mich war das definitiv eine der spannendsten Entdeckungen der letzten Zeit.
Es gibt übrigens inzwischen das MK3, das den Nachfolger dieses Pedals darstellt und ein wenig anders in der Austattung ist. Wer also die Beschriftung meines MK2 kritisiert, dem sei mit dem MK3 geholfen 😉 und noch vieles mehr…