von Heinz Rebellius & Thorsten Käsekamp

Wir hatten es einfach satt! Dieses Vermuten, dieses Diskutieren mit Halbwissen, diese Gläubigkeit an Mythen, Voodoo und Foren-Beiträge. Wir prüfen einfach alles nach, was uns interessiert, nehmen die Ergebnisse auf und machen sie den Lesern zugänglich. So kann sich jeder sein eigenes Bild von der jeweiligen Fragestellung machen. So einfach geht das.

Aufgesattelt!
Welches ist das beste Sattelmaterial? Knochen natürlich, schreit die eine Fraktion! Messing ist besser, weil mehr Höhen, entgegnet die andere! Plastik ist doch totaler Müll! Ist doch völlig egal, wissen die Pragmatiker. Wisst ihr´s wirklich? Habt ihr schon mal Material A mit Material B direkt verglichen? Bevor also nun alle los jaulen ob der Wichtigkeit des Sattelmaterials, sollten wir uns zuerst einmal kurz zurücknehmen und uns vor Augen führen, wie oft man überhaupt Leersaiten spielt? Denn nur dann tritt ja der Klang eines Sattels überhaupt zutage. Also, ich (Heinz) spiele schon relativ viel Leersaiten, aber z. B. Thorsten, mein Partner bei diesen Versuchen, eher selten. Das liegt daran, dass ich eher Song orientierte Musik spiele, Thorsten aber den Rock- und Fusion-Bereich bedient und dort weniger mit Leersaiten zu tun hat. So wie Jazzer auch.

Wir wollten es jedenfalls genau wissen! Dazu haben wir eine Gitarre – eine Fender-Stratocaster-Version mit Erle-Korpus, Ahorn/Palisander-Hals und Suhr-SSV-Humbucker am Steg – nacheinander mit Sätteln aus Plastik, TusQ, Messing und Knochen bestückt und das Ergebnis aufgenommen. Die Gitarre – es wurden nur Leersaiten gespielt - wurde dabei immer exakt über dem Mittel-Pickup angeschlagen und sowohl direkt (über Scuffham S. Gear) als auch akustisch (AKG-C2000B-Mikrofon und RME Fireface 800-Interface) in den Rechner gespielt und von Cubase aufgezeichnet. So erhielten wir zwei Signale pro Sattel, die aufschlussreich den Klang des jeweiligen Materials demonstrierten. Und deren Unterschiede. Nicht mehr, nicht weniger. Keine Analysen, keine Diagramme, keine weiteren Vorträge, keine Thesen, sondern nur Fakten!

Wir empfehlen, diese Soundfiles auf jeden Fall anzuhören. Denn wenn auch unsere im Folgenden aufgeschriebenen Ergebnisse aussagekräftig sind, zeigen die Soundfiles sehr gut, wie groß oder klein die einzelnen Unterschiede der Materialien sind.

Die Ergebnisse

DI-Aufnahme

Knochen: voller, runder und lebendiger Klang.


Plastik: erscheint etwas dumpfer und lebloser.


TusQ: heller und lebendiger als Plastik, mehr obere Mitten und weniger Bass als Knochen


Messing: ähnlich wie Plastik, etwas dumpfer und starr


Mikrofonaufnahme

Knochen: ausgewogener Klang


Plastik: dumpfer als Knochen


TusQ: dumpfer als Knochen


Messing: zurückhaltender, weniger Dynamik, weniger Höhen als Plastik


Aber – und das werdet ihr auch hören – sind die Unterschiede verdammt gering. Und wenn man dann bedenkt, dass nur ein Teil der gespielten Töne auf Leersaiten intoniert werden, dann erübrigt sich vielleicht schon die eine oder andere Diskussion ob der Wichtigkeit des einen oder anderen Materials. Und: Da der Klang einer Gitarre aus vielen Komponenten besteht, kann nicht von vornherein gesagt werden, welches Material nun das beste für das jeweilige System ist. Für eine höhenbetonte Konstruktion mit z. B. hartem Esche-Korpus und Ahorn-Hals samt Ahorn-Griffbrett kann z.B. ein etwas träger klingender Messingsattel die bessere Wahl sein.

Unterschiede

DI-Aufnahme: Knochen vs Messing:


DI-Aufnahme: Knochen vs Plastik:


DI-Aufnahme: Knochen vs TusQ:


Mikrofon-Aufnahme: Knochen vs Messing:


Mikrofon-Aufnahme: Knochen vs Plastik:


Mikrofon-Aufnahme: Knochen vs TusQ:


Unsere Bezugsquellen:
Musikhaus Thomann (Plastik- und TusQ-Sättel), ABM (Messing), Rockinger (Knochen)

01strat  02messing  03akg
Unsere Testgitarre, der Messing-Sattel und das AKG C2000, womit wir das akustische Signal der Gitarre aufgenommen haben, um eine Färbung durch die Tonabnehmer auszuschließen.

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